Mit rhythmischer Musik gestaltete Messen begleiteten meine Zeit mit „We all“, sie begleiteten durch die Aufführungspraxis der Heimatpfarrei wieder die letztvergangenen Jahre, sei es in der Arbeit mit dem Projektchor „Laudate“, sei es im gemeinsamen Musizieren mit der Jugendband „Come together“. An die Komposition einer eigenen Messe dachte ich zunächst nicht. Wieso auch? Muss man den unzähligen Vertonungen der kanonischen Texte eine weitere hinzufügen?
Entstehung
Um Lucy Franks Bitte nachzukommen, ihr nach ihrer Mitwirkung bei „Magdalena“ eine kleine Messe zu schreiben, suchte ich daher weniger ausgetretene Wege. Ergebnis ist die „Missa in dubio“ – eine Messe also, welche statt bedenkenloser Affirmation den Zweifel in den Mittelpunkt rückt, um zu dem vorzudringen, was substanziell am Glauben ist. Nicht alles, was in der Vergangenheit als selbstverständlich galt, will uns heute noch einleuchten. Und so steht es eigentlich längst auf der Tagesordnung, unwichtige Äußerlichkeiten abzustreifen – zumal historisch überholte – , wenn man den christlichen Glauben für die Gegenwart retten will.
Neuland
Fest steht, dass ich mich mit der „Missa in dubio“ auf das Gebiet des Neuen geistlichen Lieds vorgewagt und damit vermintes Gelände betreten habe. Noch immer gelten rhythmische Neukompositionen für den Gottesdienstgebrauch in traditionsverhafteten kirchenmusikalischen Kreisen als Schmuddelkinder: Sie würden dem Erhabenen des Gottesgedankens nicht gerecht. Vielleicht ist das so. Was aber ganz gewiss der Fall ist: Sie werden dem Wunsch der Gemeinden nach gemeinsamem Gebet und Gesang gerecht. Freilich sind die Lieder der „Missa in dubio“ nur bedingt der Gattung „gemeinsamer Messgesang“ zuzuordnen – am ehesten noch das als Audio-Beispiel beigefügte „Friedenslied“. Charakteristisch ist vielmehr, dass neben die tradierten liturgischen Formeln an das Chanson erinnernde Passagen treten, in denen die Gebetsüberlieferung reflektiert wird: Die Messtexte beugen sich gleichsam auf sich selbst zurück und diskutieren ihre eigenen Voraussetzungen. Es ist Neuland, auf das ich mich hier vortaste.
Uraufführung war am 25. und 26. Oktober 2025 in Alt St. Margaret, Landshut
Hier das Friedenslied aus der Messe als Hörprobe:
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Erschienen im ©itonmusik Verlag

